Muskelschäden
Der Begriff Muskelkrankheiten beinhaltet verschiedene Krankheitsbilder wie erworbene und hereditäre (= erbliche) Muskelschäden, Muskeldystrophien, spinale Muskelatrophien, hormonbedingte Muskelkrankheiten, angeborene Muskelkrankheiten oder auch Erkrankungen im Übergang vom Nerv zum Muskel wie z.B. die Myasthenia gravis. Abzugrenzen sind Erkrankungen der Nervenfasern wie z.B. gewisse Formen der Motoneuronerkrankungen (z.B. Kinderlähmung) oder auch spinale Muskelatrophien in ihren verschiedenen Formen (Typ Werdnig, Typ Hoffmann). Die klinischen Symptome der oben genannten Muskelschäden betreffen in erster Linie die Motorik selbst, daneben aber auch die Sensibilität, das Schmerzempfinden und sämtliche Folgestörungen von Muskelschäden wie z.B. Einschränkungen der Lungenfunktion, des Schluckens oder auch orthopädische Folgeschäden wie Kontrakturen und Skoliose. Therapeutische Ziele während der stationären Rehabilitation bei Muskelschäden sind die Normalisierung der motorischen Bewegungsabläufe durch gezielte Aktivierung aller beteiligten Muskelgruppen, Reduktion von Schmerzen und Sensibilitätsstörungen und auch die Prophylaxe der oben genannten Sekundärschäden.
Muskelschäden:
Einteilung
Die heute bekannten
Muskelkrankheiten (Synonym: Myopathien) lassen sich folgendermaßen einteilen:
1.
Muskeldystrophie
Fazio-skapulo-humerale
Muskeldystrophie
Myotone
Muskelkrankheiten
Erbliche
metabolische Muskelkrankheiten (Stoffwechselstörungen in der Zelle)
Endokrine
Myopathien
Kongenitale
Myopathien
2.
Übergang
vom Nerv zum Muskel:
Myasthenia
Gravis und Lambert-Eaton-Syndrom
3.
Erkrankungen
der Nervenfasern
3.1.
Spinale
Muskelatrophien und Motorneuronerkrankungen:
Poliomyelitis
Spinale
Muskelatrophie
Amyotrophe
Lateralsklerose
3.2.
Polyneuropathien
andere
vererbliche Polyneuropathien
Guillain-Barré-Syndrom
(idiopathische Polyneuritis)
andere
Polyneuropathien
Im
Vergleich zu anderen Erkrankungen des menschlichen Körpers sind
Muskelkrankheiten relativ selten. Die häufigste Form der Muskeldystrophie ist
der Typ Duchenne, betroffen hiervon sind etwa 4 von 100.000 Einwohnern in
Deutschland. Etwas häufiger ist die
amyotrophe Lateralsklerose, an ihr leiden
zwischen 5 und 8 pro 100.000 Einwohnern, Muskelentzündungen sind noch seltener
und kommen in einer Häufigkeit von etwa 0,5 auf 100.000 Personen vor.
Die
weiter unten beschriebene Therapie in der Wicker Klinik Bad Wildungen umfasst
mehrere Therapieansätze eines Behandlungsteams. In erster Linie arbeiten hier
Ärzte, Physiotherapeuten, die Abteilung Physikalische Therapie, Ergotherapie,
Sozialarbeiter und Psychologen zusammen.
Trotz
der Vielfalt der unterschiedlichen Muskelkrankheiten gibt es doch oft übergreifende
Symptome. Zu nennen sind hier die zunehmende Muskelschwäche mit rascher Ermüdbarkeit,
zum Teil nur bei Belastung, die Verschmächtigung der Muskulatur (Atrophie),
Muskelkrämpfe mit Schmerzen in den betroffenen Körperabschnitten, Sensibilitätsstörungen
und orthopädische Folgeschäden.
Auch
in der stationären Rehabilitation steht zunächst die genaue Erhebung der
Krankheitsgeschichte bei Muskelschäden mit den Angaben des Patienten zur Vorgeschichte (Anamnese)
im Vordergrund mit den Schwerpunkten: Beginn der Funktionsstörungen, dem
Verlauf, den aktuellen klinischen Beschwerden und dem Auftreten ähnlicher Störungen
bei anderen Familienmitgliedern.
Auch
die körperliche Untersuchung bei Muskelschäden ist ein wichtiger Baustein zur Einschätzung und
Planung des Rehabilitationsprogramms. Gelenkveränderungen, orthopädische
Folgeschädigungen, spezielle Schmerzsymptome etc. sind hier besonders wichtig
neben der allgemein üblichen neurologischen Untersuchung der Hirnnerven, der
Kraftentfaltung der Extremitäten, der Muskeleigen - und Fremdreflexe, der
Sensibilität und der Koordination. Gezielt müssen bei Muskelschäden nach
Lähmungen gefahndet werden und diese nach entsprechenden Einteilungsgraden
genau beschrieben werden.
Für
den Neurologen in der stationären neurologischen Rehabilitation ist auch die
zusätzliche neurophysiologische Diagnostik wichtig. Die Wicker Klinik Bad
Wildungen verfügt hier über die entsprechenden technischen Ausstattungen, der
leitende Oberarzt der Abteilung, Herr Dr. med. Rojas-Mackenzie hat für die
Region Bad Wildungen eine KV - Ermächtigung für die neurophysiologische
Untersuchung von ambulanten Patienten. Dieses Angebot wird von Betroffenen der
Region sehr gern genützt und auch die Ärzte von Bad Wildungen und Umgebung
schicken ihre ambulanten Patienten hierher zur weiteren genauen neurologischen
und neurophysiologischen Abklärung.
Als
neurophysiologische Untersuchungsmethoden sind hier zu nennen:
Elektroneurographie mit Feststellung der Nervenleitgeschwindigkeit und der
Funktionstüchtigkeit der Nervenfasern und Messung der Muskelströme mittels
Elektromyographie. In der stationären neurologischen Rehabilitation sind
Laboruntersuchungen wichtig, zu nennen sind hier beispielsweise die Bestimmung
der Creatin-Kinase („CK“) dieses Muskelenzym findet sich bei
Muskelkrankheiten oft erhöht im Blut, bestimmte weitere Enzyme und Antikörper
sind ebenfalls eine Ergänzung im Untersuchungsprogramm.
Im
Verbund der Wicker Klinik Bad Wildungen kann auf die sehr gute und qualifizierte
Ausstattung der Neuroradiologischen Praxis Dres. Mariß/Aref in der
Hardtwaldklinik I Bad Zwesten zurückgegriffen werden. In dieser Praxis befinden
sich hochwertige neuroradiologische Geräte wie Kernspintomographie (MRT) und
Computertomographie (CT). In unmittelbarer Nachbarschaft der Wicker Klinik
befindet sich die nuklearmedizinische Praxis Dres. Graul/Gercke, hier können
beispielsweise Untersuchungen mittels Sonographie (Ultraschall) oder auch eine
genaue Schilddrüsendiagnostik mittels Laborwerte, Schilddrüsenszintigraphie
und -sonographie durchgeführt werden.
In
der Wicker Klinik Bad Wildungen befindet sich eine internistische Abteilung. Untersuchungen des Herzens einschließlich
EKG-Untersuchungen und Ultraschall-Untersuchungen von Herz und Bauchorganen können
hier jederzeit mühelos durchgeführt werden und ergänzen die exakte Diagnostik
der Beschwerden von Patienten mit Muskelkrankheiten während der stationären
Rehabilitation.
Neben
den bereits oben genannten therapeutischen Zielen bei Patienten mit
Muskelkrankheiten sind ein wichtiger Baustein die Verbesserung und das Erhalten
der Selbständigkeit in der Beweglichkeit, die Selbstversorgung und Teilhaben am
sozialen Leben und die genaue sozialmedizinische Beurteilung, Einschätzung und
evtl. auch Wiedereingliederung in das berufliche Arbeitsleben.
In
der Physiotherapie wird zunächst das Ausmaß der Beeinträchtigung des
Bewegungsapparats durch die vorhandene Lähmungen beurteilt und gemeinsam mit
dem Patienten das Behandlungsziel besprochen.
Wichtige
therapeutische Ansätze für Patienten mit Muskelkrankheiten in der
Rehabilitation sind ein langsamer und kontinuierlicher Aufbau der Muskelkraft
und Ausdauer, die Ökonomisierung von Bewegungsabläufen bzgl. Koordination und
Einsatz bzw. Dosierung von Kraft sowie Schulung der Körperwahrnehmung. Ein
weiterer wichtiger Punkt ist die Kontrakturprophylaxe. Oft haben Patienten mit
Muskelschäden eingesteifte Gelenke und Skoliosen, d.h. Verkrümmungen der
Wirbelsäule. Vorsichtiges Dehnen der betroffenen Gelenke vermindert das
Auftreten von Kontrakturen und führt somit zu einem langsameren Fortschreiten
der Erkrankung.
Die
oft gestörte Oberflächen- und/oder Tiefensensibilität der Patienten mit
Muskelschäden steht im Mittelpunkt der Ergotherapie in der Rehabilitation.
Hierbei werden verschiedene konkrete Übungen durchgeführt, bei gestörter
Tiefensensibilität der Extremitäten hat sich die so genannte Urias-Druckbandage (Splint-Therapie) bewährt und wird bei Entlassung oft zur häuslichen
Weiterbehandlung rezeptiert. Das sensomotorische Training von Patienten mit
Muskelkrankheiten erfolgt dabei in Einzel- oder Gruppentherapie und hat als
Schwerpunkt die Koordination und Feinmotorik. Ein für Personen mit
Muskelkrankheiten sehr wichtiger Behandlungspunkt ist die Wiedererlangung der Fähigkeit
wieder einen Pkw zu fahren. Hierzu besteht in der Abteilung Ergotherapie eine
Kooperation mit einer externen Fahrschule und es finden Fahrübungen in Bad
Wildungen in einem entsprechenden behindertengerechten Pkw mit einem geschulten
Fahrlehrer statt.
Ein
weiterer Ansatz in der Rehabilitation von Muskelkrankheiten ist die adäquate
Hilfsmittelberatung. Dies betrifft nicht nur Orthesen (Geräte zur
Stabilisierung und Funktionsbesserung von Gelenken), sondern auch sämtliche
andere Hilfsmittel am Heimatort wie z.B. Einstieghilfen in die Badewanne, höhenverstellbare
Hilfsmittel in der Küche etc.. Dabei ist die gezielte Hilfsmittelberatung von
Rollstuhl - Betroffenen mit Muskelschäden äußerst hilfreich, die Rollstühle
werden exakt vermessen und auf die Bedürfnisse der Betroffenen mit
Muskelschäden eingestellt. Weitere Hilfsmittel sind z.B. Duschstuhl, Badewannenlifter, Toilettensitzerhöhungen, Rampen für den Rollstuhl und
andere.
Die
Abteilung Physikalische Therapie setzt verschiedene Verfahren zur Entspannung
des Patienten ein. Zusätzlich kann diese Therapieabteilung die oft nicht
geringen Schmerzsymptome bei Patienten mit Muskelschäden reduzieren. Hier
kommen passive Techniken wie externe Massagen und Bäder zum Einsatz, zum andren
gezielte Schmerzbehandlungen wie Elektrotherapie, Laserbehandlung oder auch die
Therapien mit einem TENS - Gerät.
Die
Logopädie ist eine weitere Abteilung in der Rehabilitation zur Behandlung von
Muskelschäden. In der Wicker Klinik Bad Wildungen werden hier Betroffene
mit Muskelschäden behandelt, die z.B. an Schluckstörungen leiden. Oft muss
auch hier eine weitere Diagnostik mit Laryngoskopie (Spieglung des Kehlkopfes)
oder bestimmte Röntgenuntersuchungen erfolgen.
In
einer qualifizierten Rehabilitationsklinik zur Behandlung von Muskelschäden
ist der ganzheitliche Therapieansatz für diese Erkrankung eine wichtige
Voraussetzung. Dazu zählen auch die Diplom-Psychologen der Abteilung.
Betroffene leiden aufgrund der körperlichen Defizite und der damit verbundenen
Auswirkungen im Privat- u. Arbeitsleben oft an depressiven Verstimmungen und
psychosomatischen Beschwerden. Hier sind sowohl stützende Einzelgespräche oder
das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive
Muskelrelaxaktion sehr hilfreich.
Ferner
zählen zu diesem Therapieteam auch die Sozialberater der Wicker Klinik. Fragen
nach dem Pflegegesetz, dem Schwerbehindertengesetz, des Arbeitsplatzes wie
Kontakte mit dem Arbeitgeber zur beruflichen Wiedereingliederung oder
innerbetriebliche Umsetzungen sind hier als häufige Themen in der
Sozialberatung zu nennen. Auch die gezielte Beratung über
(Teil-) Berentung ist für Patienten mit Muskelschäden oft eine häufige
Frage.
Schließlich
gehört zum Therapieplan während der Rehabilitation in Bad Wildungen auch die
konsiliarische Mitbetreuung durch einen qualifizierten Facharzt für Orthopädie.
Dies wird durch Herrn Dr. Wieczorek geleistet, der zweimal wöchentlich eine
Sprechstunde anbietet in der Klinik, somit die Betroffenen konsiliarisch
mitbetreut und auch für die Ärzte der Abteilung Neurologie ein regelmäßiger
und geschätzter Gesprächspartner ist. Herr Dr. Wieczorek ist Chefarzt der Orthopädischen
Abteilung der Klinik am Homberg in
Bad Wildungen.
Zum
Bestandteil der Arbeit für die Ärzte in der Wicker Klinik Bad Wildungen gehört
auch der Austausch mit Experten und Fachkollegen von Muskelschäden. Es
finden regelmäßige Fortbildungen sowohl in der Klinik als auch die Teilnahme
an entsprechenden Fachkongressen und Symposien teil. Zu nennen ist hier als
Beispiel das Bad Wildunger Neurologische Symposium mit dem
Themenschwerpunkt „Muskelkrankheiten und
Post-Polio-Syndrom“.
Diese Tagung fand u.a. in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für
Muskelkranke und der Polio Initiative Europa e.V. statt und beinhaltete Referate
und Beiträge von kompetenten und qualifizierten Kennern von Muskelkrankheiten
wie z.B. Herrn Oberarzt PD Dr. Schepelmann, Neurologische Universitätsklinik
Marburg, Herrn Dr. Schrank, Deutsche Klinik für Diagnostik Wiesbaden oder Herrn
Dr. Tacke, Arzt für Neurologie Wetzlar. Die Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001 zertifiziert. Die Behandlung der Patienten erfolgt nach den Richtlinien und Vorgaben der jeweiligen Kostenträger. Jeder Chefarzt hat eine langjährige Erfahrung aus seinem Fachgebiet, je nach Schweregrad und Krankheitsverlauf werden individuelle Therapien bei den Patienten durchgeführt.
Mit den besten Wünschen für Ihre
Gesundheit!
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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